Weihnachtsspecial

Der neuseeländische Weihnachtsbaum ist ja der Pōhutukawa

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der um diese Zeit heftigst blüht und ganze Straßenzüge mit seinen roten Puscheln aufhübscht. Selbst im simultan-heruntergekommenen Zustand entfalten seine blutroten Staubblätter noch ihren ästhetisch-morbiden Reiz (Assoziationen mit aktuellen Ereignisse in der deutschen Hauptstadt sind ausdrücklich nicht beabsichtigt oder erwünscht):

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Wenn man allerdings den großen Fehler begeht, sein Kraftfahrzeug eine Nacht unter einer Metrosideros excelsa zu parken, ist morgens erst einmal ausgiebiges Scheibenputzen angesagt, um die klebrigen Drecksteile rückstandslos wieder zu entfernen:

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Mein persönlicher Baumfavorit ist hier sowieso aktuell die Jacaranda

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die zwar nicht neuseeland-nativ ist, aber momentan in vielen Parks und Gärten leuchtet:

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Ich bräuchte dann in Moordeich mal bitte gerne einen 10 m hohen, frostfreien Wintergarten …

In der Vorweihnachtszeit ist die hiesige Liberalisierung des zahnärztlichen Werberechts offensichtlich schon ziemlich weit fortgeschritten und wird weitestgehend hemmungslos ausgeschöpft:

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Ob Santa allerdings wirklich zwingend bunte Brackets braucht?

Auch die übrigen Zeugnisse vorweihnachtlicher Lichtkunst schrammeln nicht immer gerade noch haarscharf an der Grenze des guten Geschmacks vorbei

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sondern überschreiten diese bisweilen deutlich:

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Ja, der große Legobaum neben der Town Hall

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mit Kiwis, Pukekos und einem surfenden Weihnachtsmann wird täglich von Jung und Alt bestaunt und das MOTAT (Museum of Transport and Technology) setzt auch verblichene Zeugnisse deutscher Ingenieurskunst festlich in Stimmung

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aber am schönsten sind doch die kleinen Anspielungen dort, wo man sie am wenigsten erwartet:

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Wir hatten uns ja ganz bewusst für den ersten Weihnachtstag entschieden, um in aller Ruhe den Hot Water Beach auf der Coromandel zu genießen, da dann ja schließlich jeder aufrechte Kiwi zu Hause bei seiner Familie den Grill anschmeißt und Party macht.

Sicher, ganz tolle Idee, so großartig, dass sie tatsächlich der eine oder andere Urlauber oder Expat auch noch hatte, sodass der eng begrenzte Bereich, in dem das 60 Grad heiße Thermalwasser austritt, mal wieder aussah wie das Schlachtfeld von Verdun vor exakt 100 Jahren:

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Die laut Wikipedia 700.000 jährlichen Besucher hatten sich gefühlt genau an diesem einen Tag versammelt, um in trauter internationaler Eintracht und dichtester Kugelpackung gemeinsam das herz- (und gesäß)erwärmende Fest der Liebe zu zelebrieren:

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Was, so schoss es mir beim Anblick von so viel zwischenmenschlicher Urlaubsharmonie durch den Kopf, würde eigentlich geschehen, wenn ich mich als Kälteflüchtling einfach ungefragt mit in eine der urinwarmen Nestburgen setzte, für die ein deutscher oder koreanischer Familienvater gerade im Schweiße seines Angesichts eine halbe Stunde lang massive Erdbewegungen durchgeführt hat? Ich habe mich natürlich nicht getraut …

Der Rest der Coromandel ist gewohnt einsam schön:

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Nach wie vielen Traumstränden geht das Empfinden für deren Schönheit eigentlich in die Sättigung?

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