Sparky

Der Begriff „Kiwi“ ist ja ein Triple-Homonym (für die ältere Generation: Dreifach-Teekesselchen); der Neuseeländer nennt sowohl sich selbst so, als auch sein Hauptexportobst, als auch seinen Wappenvogel. Um eben dieses Nationalemblem, also um den Schnepfenstrauß soll es hier gehen: Kiwis sind laut Wikipedia

… flugunfähige, nachtaktive Vögel in den Wäldern Neuseelands.

Und genau diese drei Attribute stimmen eben nicht für jeden Kiwi. Ja, die Chance, in den Wäldern Neuseelands einem wilden Kiwi zu begegnen, geht gegen null. Und ja, die wenigen in Zoos oder speziellen Kiwihäusern lebenden Exemplare werden dort wie rohe Eier ohne Schale behandelt. Man kann sie – wenn man Glück hat – aus 10 Metern Entfernung im nächtlichen Dämmerlicht hinter Sicherheitsglas in absoluter Stille als 5 Pixel große braune Punkte erahnen.

Nicht so Sparky! Noemis Geheimtipp (nochmals unendlich Dank dafür!) lebt seit 14 Jahren im Native Bird Recovery Centre in Whangarei und hat nach Aussage seiner menschlichen Bezugsperson Robert nicht viel dagegen, auch mal am Tag im direkten Körperkontakt Besucherherzen höher schlagen zu lassen:

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Obwohl Sparky mit Hilfe seines Schnabels nach Kräften versucht, sich seine Behinderung nicht anmerken zu lassen, kann er sein Handicap, damals das rechtes Bein in einer Opossumschlagfalle verloren zu haben, nicht immer verbergen:

Angriff des Killerkiwis

Gut gemeinte Versuche der Uni Auckland, ihm eine maßgeschneiderte 3D-gedruckte Prothese anzupassen, endeten vor ein paar Jahren leider erfolglos in Entzündungen und Geschwüren. Wenn man Sparky allerdings auf eine Fläche setzt, in der Würmer zu erwarten sind, geht Long John Silver auch einbeinig voller Inbrunst zur Sache:

Sparky

Der an seinem Ende geruchs- und geräuschempfindliche Schnabel wird bis zum Anschlag in den Boden gerammt, um zielsicher insektoide Leckerbissen aufzustöbern und diese dann mit lautem Klacken zu vernaschen.

Sein Betreuer Robert päppelt jedes Jahr etwa 1400 verletzte Vögel aller Art wieder auf und entlässt 60% gesund zurück in ihren natürlichen Lebensraum. Wenn er erzählt, wie er einen vertraut gewordenen aber genesenen Albatross auf einem Boot auf Startgeschwindigkeit beschleunigt und dann aus den eigenen Armen heraus direkt an das luftige Element übergibt, merkt man die unglaubliche Faszination für und Hingabe an seine Berufung.

Robert fliegt regelmäßig mit Sparky zu Schulen in Neuseeland, um die Kindern mit seiner Begeisterung für die Vogelwelt Neuseelands anzufixen. Er erzählt dann augenzwinkernd aber wahrheitsgemäß, dass Sparky der einzige Kiwi Neuseelands ist, der fliegen kann (Air New Zealand erlaubt ihm tatsächlich, Sparky im Pappkarton neben sich in der Kabine sitzen zu lassen) oder die Anekdote, als er Sparky nach der Landung in Auckland auf dem Grünstreifen neben dem Flughafenzubringer absetzte und der Kiwi natürlich sofort seiner Lieblingsbeschäftigung nachging, in aller Seelenruhe nach Wirbellosen zu buddeln. Das Verkehrschaos, nachdem die ersten Autofahrer einen leibhaftigen Kiwi direkt an der Straße entdeckten, war wohl recht bemerkenswert …

Wie allerdings solch ein riesiges Ei (Die Bayer AG hat Robert freundlicherweise Inkubatoren für Kiwieier zur Verfügung gestellt ) in solch einen kleinen Kiwikörper passt

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und diesen dann ohne tierischen Personenschaden auch noch verlässt; mir erschließt sich das nicht.

Whangarei

Neben seiner Hauptattraktion Sparky kann Whangarei auch noch mit malerischen Wasserfällen

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und unglaublich leckeren (vegetarischen) Pizzen im Red Dining begeistern:

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Auf dem Weg nach Whangarei empfiehlt es sich, einen kleinen Abstecher zu den Waipu pancake rocks zu machen

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die sich zwar nicht wirklich mit ihren großen Brüdern in Punakaiki an der Westküste der Südinsel messen können und touristisch überhaupt nicht erschlossen sind (mit Flipflops wird das definitiv nix), die aber ihren eigenen, grünlebendigen Charme besitzen.

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